24. November 2023

„Ghostrunner 2“: Geiler Frust!

Die Fortsetzung des Cyberpunk-Actionhits haut wieder ordentlich rein

Lesezeit: 3 min.

Es gibt Titel, auf die wartet man aufgrund schier endloser Marketingköderei ewig und es gibt Titel, die kommen einfach aus dem Nichts. Zu letzterem gehörte das besonders alptraumhafte Cyberpunk-Abenteuer Ghostrunner, in dem wir als ultrafixer Cyberninja in Ego-Perspektive halsbrecherische Parkour- und Schnetzeleinlagen hinlegen durften, wobei vor allem wahnsinnig schnelle Reaktionen gefragt waren, um sich vom Rausch der eigenen Reflexe vor knackig stimmungsvoller Kulisse inklusive antreibendem Soundtrack regelrecht ausknocken zu lassen.

Denn ohne Reaktionspower biss man in Ghostrunner quasi im Sekundentakt ins Gras, jedoch wurde unser Held mittels jederzeit top platzierter Checkpoints immer wieder ohne lange Ladezeit genau am Punkt des Scheitern abgesetzt, sodass sich auch im Dauersterben ein richtiger Flow einstellte. Wer genug Frusttoleranz und Bock auf Action ohne Pause und ohne viel (nachvollziehbare) Story hat, muss einfach diese Indieperle zocken (hier geht es nochmal zu unserem damaligen Review).

Nun steht tatsächlich Teil 2 auf der Matte, denn man zwar eigentlich mangels sich aufdrängender Handlungsfortsetzung nicht erwartet hätte, aber dennoch sehr gerne in Augenschein nimmt. Und was soll man sagen: Erneut haben sich die Macher von One More Level darauf verstanden, uns eher mit der genretypischen Atmosphäre des Genres voller Neon, Stahl und künstlich gepeppter Humanoiden zu catchen als mit brillant durchdachtem Storytelling und ausufernden Spielwelten.

So steht auch in Ghostrunner 2, das seit ein paar Wochen für aktuelle Konsolen (außer Switch) und PC zum Preis von ca. 40 Euro in den Läden steht, ein Actiondauerfeuer an, bei dem wir in Ego-Sicht mit Katanaschwert und einigen weiteren Gadgets wie Shurikens bewaffnet an Wänden entlang sprinten, Feinde zerhacken und Sprungpassagen meistern, nach deren Bewältigung man sich meist fragt, wie man das eigentlich endlich geschafft hat nach gefühlt 100 Versuchen in wenigen Minuten.

Dennoch erweist sich die Fortsetzung im Vergleich zum Vorgänger als Mix aus alten wie neuen Elementen. Die ersten Stunden der rund 8-10 stündigen Kampagne bestehen eher aus gewohnten Designs und Gameplay, allerdings bietet sich schon hier die Möglichkeit, unseren Ninja mit neuen Fähigkeiten auszubauen und dem gewohnt heftigen Feindesvolk variabler als zuvor einzuheizen. In der zweiten Hälfte gesellen sich u.a. teils richtig schwere Bikermissionen zum üblichen Gameplay hinzu. Dort müssen wir (ohne gute Übersicht) in Sekundenschnelle Hindernissen ausweichen und mit unserem Bike halsbrecherische Wendungen vollziehen, wie sie selbst für Ghostrunner-Verhältnisse fast zu arg sind. Ebenfalls neu sind Open World-Ausflüge in das Umfeld der schon aus Teil 1 bekannten Stadt, in dem wir auf Erkundungstour gehen und das Spielgeschehen zeitweise deutlich an Fahrt verliert. Wem das gefällt, der freut sich eventuell auch über die Hub-Passagen, in denen wir mit anderen Charakteren plaudern, um an relativ unwichtige, aber dennoch das Geschehen etwas aufhübschende Informationen zu gelangen.

Rein formal klingt das eben Erläuterte nach angenehm viel Abwechslung und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass gerade die Atempausen und das Mehr an Drumherum der Atmosphäre von Ghostrunner 2 gut zu Gesicht stehen. Leider kämpft das Spielgefühl jedoch mit einigen Unsauberkeiten im Design der Challenges (z. B. bei nicht funktionierenden Eingaben und Clippingfehlern), die dazu führen, dass sich (nicht nur die Bikeabschnitte) stellenweise unfair anfühlen und man nicht den Eindruck hat, ein völlig abgerundetes Produkt zu spielen. In der Kürze der Kampagne kommt auch nicht alles so zur Entfaltung, dass man, etwa bei den NPCs, tatsächlich das Gefühl hat, hier ein wirklich wichtiges Element vorzufinden. Weniger oder doch gleich etwas mehr wären dann wohl doch die bessere Entscheidung für diesen Ableger gewesen.

Technisch gibt es hingegen auf PS5 nichts weiter zu meckern. Noch immer treibt der Soundtrack wunderbar an, die Grafik sorgt für bedrückend schillernde Düsterstimmung und bis auf die bereits erwähnten Schnitzer schnurren die auch im Hauptmenü netterweise dann einzeln anwählbaren Level gut vor sich hin. One More Level verstehen es einfach, eine richtig fiese Genrewelt zu erschaffen, die Fans sofort in ihren Bann zieht, aber eben nichts für Casualgamer oder gar Neulinge ist. Wer Ghostrunner spielt, muss den zwischenzeitlichen Frust einfach wollen – Belohnung gibt es dafür aber reichlich.

Fazit

Erneut harter, aber unglaublich mitreißender Actiontitel, dessen Atmosphäre und Parkoureinlagen definitiv kein Gamerherz kalt lassen.

Ghostrunner 2 • One More Level • Parkour-Action • PS5/Xbox Series X/PC

Abb. © 505 Games

 

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